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[11.11.2018] Gedenken an Opfer der Pogrome 
erschienen : Naumburger Tageblatt 

„Das geht einem schon nah"

Mehrere Hundert Naumburger, darunter zahlreiche Schüler, gedenken auf dem Markt des 80. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938. (Andreas Löffler)

VON ANDREAS LÖFFLER

NAUMBURG - „Wir wollen Frieden für alle - hewenu schalom alechem", stimmte der von Claudia Wahlbuhl angeführte Chor eine traditionelle jüdische Weise an - und nach und nach stimmten immer mehr Umstehende mit ein, erfüllten den Naumburger Marktplatz mit Gesang: Im Zentrum der Domstadt gedachten gestern Vormittag mehrere Hundert Naumburger jeden Alters der Opfer der judenfeindlichen Nazi-Pogrome im November 1938. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der evangelischen Kirchengemeinde und der Freien Schule im Burgenland „Jan Hus" organisiert.

„Es geht einem schon nah, wenn man sich mit diesem düsteren Kapitel der Geschichte und vor allem mit den Schicksalen der verfolgten Menschen befasst", bekundete Kiran Kresse, Schüler der 9. Klasse an der Freien Schule. Gemeinsam mit Julian Schade verlas er die Namen der 54 Juden, die seinerzeit in Naumburg wohnten und vertrieben oder gar ermordet wurden. „Es ist uns ein Herzensbedürfnis, hier zu sein", betonte auch „Jan Hus"-Schulleiterin Kathrin Wahlbuhl-Nitsche. „Bereits seit 2011 bringen sich unsere Schüler mit dem Vortragen von Liedern und Gedichten in die Ausgestaltung des alljährlichen November-Gedenkens mit ein. Alle zwei Jahre organisieren wir zudem für unsere Neunt- und Zehntklässler eine Reise an die Stätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz - die gut 40 Plätze dafür sind stets binnen kurzer Zeit weg", so Kathrin Wahlbuhl-Nitsche. Mit ihren Schützlingen wird sie sich am Freitag kommender Woche auch am Reinigen und Polieren der „Stolpersteine" zum Gedenken an NS-Opfer beteiligen. „Pfarrer Andreas Rietschel hat in seiner Ansprache nochmals deutlich gemacht, wie heutig und aktuell das Thema Verfolgung und Ausgrenzung noch immer ist - umso wichtiger also, den Anfängen zu wehren und Flagge für ein menschliches Miteinander zu zeigen."

Flagge und Farbe bekannte auch Gerd Hopstock, der Leiter des Naumburger Friedenskreises, der mit der Regenbogenfahne der internationalen Friedensbewegung Pace gekommen war. „Jeder Mensch, ganz gleich ob Christ, Jude oder Muslim, hat das gleiche Recht, in Frieden und Würde leben zu können", betonte Hopstock und blickte sich erfreut um: „Es ist schön zu sehen, dass auch so viele junge Leute zum Gedenken an Verfolgte hier sind."

Gebete und stille Andacht von Jung und Alt prägen die Veranstaltung. (Andreas Löffler)

 

Fahnenträger: Gerd Hopstock vom Friedenskreis inmitten von Schülern. (Andreas Löffler)

 Was geschah im November 1938?Die Novemberpogrome

im Jahr 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt – waren vom Nazi-Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1 400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die später in den Holocaust mündete.

Gerd Hopstock

Leiter Friedenskreis Naumburg 

  




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